DER UNGLAUBLICHE HULK – Vom Fernseh-Pilotfilm zum deutschen Kinospektakel

„Der unglaubliche Hulk“ lief heute vor 37 Jahren in den deutschen Kinos an. (Genau genommen gestern vor 37 Jahren, aber der Artikel wurde nicht rechtzeitig fertig…)

1977 entstanden unter der Regie und nach dem Drehbuch von Kenneth Johnson („V – Die außerirdischen Besucher kommen“, „Der Sechs Millionen Dollar Mann“) zwei Pilotfilme zur Serienadaption von Marvels grünem Comichelden. Diese bildeten den Auftakt des Straßenfegers mit Bill Bixby als David Banner und Lou Ferrigno als sein titelgebendes Alter Ego. Unter der Schirmherrschaft von Johnson wurden von 1978 bis 1982 fünf Staffeln von „The Incredible Hulk“ produziert. Versuche, Comichelden auf den kleinen Bildschirm zu bringen, waren damals nicht von Erfolg gekrönt, wie „Captain America“ und „Doctor Strange“ zeigten. Bei beiden Umsetzungen blieb es beim Piloten.

In den USA fürs TV konzipiert, wurde „The Incredible Hulk“ in einigen europäischen Ländern in die Kinos gebracht, wie es zum Beispiel diese Werbeanzeige des Kinostarts in London veranschaulicht.

HULK Werbung

Auch in den deutschen Kinos wütete der „grüne Herkules“. Am 19. Juni 1980 lief der Film im Verleih der Cinema International Corporation in Deutschland an. Das Modell, erfolgversprechende TV-Stoffe aus den USA in die hiesigen Kinos zu bringen, waren keine Seltenheit damals, wie u.a. Spielbergs fürs Fernsehen gedrehter Thriller „Duell“ beweist. Auch „Spider-Man der Spinnenmensch“, der Pilotfilm zur kurzlebigen Serie „The Amazing Spider-Man“ (1978-1979) sowie zwei weitere, aus Doppelfolgen zusammengeschnittene Filme („Spider-Man schlägt zurück“ und „Spider-Man gegen den gelben Drachen“) schafften es Ende der 1970er und Anfang der 1980er in die deutschen Lichtspielhäuser.

 

 

Die Kinofassung von „Der unglaubliche Hulk“ entspricht allerdings nicht der Fassung, die der ursprüngliche Pilotfilm aufweist. Für die deutsche Kinoauswertung fügte man Szenen aus der Episode „747“ aus Staffel 1 hinzu, wohl um den Film rasanter und spektakulärer zu gestalten. Die Kinobesucher sollten den Unterschied nicht bemerken, feierte die Serie doch erst ganze sieben Jahre später, am 5. Oktober 1987, ihre TV-Premiere beim jungen Privatsender RTL.

Weder auf DVD noch auf Video ist diese eigenwillige Schnittfassung verfügbar. Dafür kann man sich auf den Super-8-Veröffentlichungen von Piccolo und Revue ein Bild vom ‚Mash-Up‘ machen, welche aber wiederum gekürzt sind. Piccolo veröffentlichte den Film als Zweiteiler mit einer Laufzeit von insgesamt 32 Minuten, während bei Revue nur magere 15 Minuten zu sehen sind. Die Piccolo-Fassung findet sich auf dem Bonusmaterial der ersten Staffel, welche hierzulande – wie auch alle weiteren Staffeln – von Koch Media veröffentlicht wurde. Ebenso wurde jeder Staffel ein umfangreiches Booklet beigelegt, das neben dem obligatorischen Episodenguide einen informativen Einblick in die Produktion und deutschen Rezeption der Serie gibt.

 

 

1987 brachte CIC den Film in seiner ursprünglichen Fassung auf VHS heraus, seine DVD-Premiere feierte er jedoch tatsächlich erst 2003, als mit Ang Lees „Hulk“ eine neue Interpretation des großen Grünen in den Kinos für Furore sorgte. Im deutschen Free TV lief diese Fassung erstmals 2004, natürlich auf Hulks Heimatsender RTL.

Hinter dem Motiv des deutschen Kinoplakats steckt Lutz Peltzer, der seit den 1940er-Jahren mit über 800 Arbeiten zu den produktivsten Köpfen seines Berufs in Deutschland gehörte. Vor Jahren habe ich mir ein Exemplar gesichert. Seitdem ziert dieser Schatz meine Wohnzimmerwand!

incredible-hulk
Deutsches Kinoplakat (© Universal/CIC)

Weitere TV-Filme in diesem Universum waren der zweite Pilotfilm „Death in the Family“ (1977), der als 90-minütige Episode konzipierte Auftaktfilm zur zweiten Staffel „Verheiratet“ (1978) und die sechs Jahre nach Ende der Serie produzierten TV-Event-Filme „Die Rückkehr des unheimlichen Hulk“ (1988), auch unter dem Titel „Thor 2000“ bekannt, sowie „Der unglaubliche Hulk vor Gericht“ (1989) und „Der Tod des unheimlichen Hulk“ (1990). „Der Tod…“ markierte auch den letzten Auftritt Bill Bixbys in der Rolle des tragischen Wissenschaftlers David Banner. Bixby ist 1993 an Prostatakrebs gestorben. Er hätte sicher – wie sein Kollege, Freund und Serien-Alter-Ego Lou Ferrigno – für ein paar tolle Gastauftritte in den „Hulk“-Filmen gesorgt.

Trotz ihres offensichtlichen Trash-Charakters und aus heutiger Sicht leicht angestaubten Erzählstils bedeutet mir die Serie eine Menge. Ekkehardt Belles markante Stimme in der deutschen Fassung hat mein Interesse für Synchronisation geweckt. Das „Lonely Man Theme“ von Joseph Harnell und damit meist verbunden Banners Gang in eine ungewisse Zukunft am Ende jeder Folge bescheren mir immer noch Gänsehaut.

 

Advertisements

Schreibe einen Kommentar ins Gästebuch

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s