Garcias Kurzreview: GET OUT

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© Universal Pictures International Germany GmbH / Blumhouse Productions

In den USA ist „Get Out“ bereits durch die Decke gegangen. Seit seinem Kinostart am 24. Februar hat der Film allein in den Staaten über 170 Mio. Dollar eingespielt – bei einem Budget von knapp 4,5 Mio. Dollar ein überragendes Ergebnis. Ganz zur Freude von Jason Blum, dessen Unternehmen Blumhouse Productions mit „Get Out“ den erfolgreichsten Film in seiner Firmengeschichte verzeichnen kann. Im Rahmen einer Preview konnte ich den Film nun auch endlich sehen.

„Get Out“ ist ein unheimlich guter Film, der sich keinem Genre zuordnen lassen will und Regisseur und Autor Jordan Peele damit ordentlich Spielraum lässt, um seinen vielschichtigen Albtraum auf die Leinwand zu projizieren. Eine durchweg in ihren jeweiligen Rollen mal verstörend gute oder verdammt witzige, aber immer überzeugende Besetzung packt den Zuschauer und nimmt ihn mit auf eine Irrfahrt entlang einer stetig steigenden Spannungskurve.

Der Film bedient sich der narrativen Struktur des Horrorfilms, greift dessen genretypische Elemente auf und wirft sie mit Freude über den Haufen, ebenso wie er es mit den Erwartungen der Zuschauer tut. Peele lässt das Publikum erahnen, was auf unseren Protagonisten zukommt, doch sein immer bizarrer anmutendes Umfeld steckt voller Überraschungen, dramaturgischer Kniffe und herrlicher „What the fuck“-Momente. Ebenso bedient er sich gängigen Klischees, um sie anschließend zu enthebeln oder sie letztendlich zu erfüllen, weil der schlaue, durch selbstironische Filme bewanderte Zuschauer heutzutage ja weiß, dass sie garantiert nicht erfüllt werden.

Was ihn so grandios macht, sind die offensichtlichen und subtilen Anspielungen sowie die unzähligen Easter Eggs, vor denen der Film nur so strotzt. Verweise auf die großen Horrorklassiker ziehen sich durch alle stilistischen Mittel, die der Film nutzt, bis hin zum Soundtrack von Michael Abels, der hier ein beachtliches Debüt als Filmkomponist hinlegt.

Doch es sind nicht nur die Filmreferenzen, die „Get Out“ ausmachen. Viel mehr ist es die Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel amerikanischer Geschichte, die am effektivsten in den kleinen Details zum Tragen kommt. Wenn man sich ein wenig mit der Geschichte der Afroamerikaner beschäftigt – und sei es nach dem Film -, entfaltet der Film seine vollste und zugleich beängstigendste Wirkung.

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© Universal Pictures International Germany GmbH / Blumhouse Productions

Zu Recht ist der vom Geheimtipp zum Kassenschlager mutierte Film in den USA so populär. So wie sich hinter der Fassade der im Film präsentierten weißen Bilderbuchfamilie Abgründe auftun, so offenbart sich auch unter der Oberfläche eines durchweg unterhaltsamen, spannenden Genre-Mixes eine intelligente Parabel, die nicht nur angehenden Filmanalysten und -historikern große Freude bereiten dürfte. Jordan Peeles clever durchdachtes, verstörendes und nicht zuletzt satirisches Spielfilmdebüt wird genialer, je mehr man sich damit auseinandersetzt. Eine Zweitsichtung ist so sicher wie das „Hallelujah“ im Gospel-Chor!

„Get Out“ läuft am 4. Mai im Verleih von Universal Pictures in den deutschen Kinos an.

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