Garcias Kurzreview: WENN DER VORHANG FÄLLT

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© Zorro / 24 Bilder

Hip Hop in Deutschland ist heute facettenreicher denn je. Conscious Rap, Battle Rap, Backpacker Rap, Gangsta Rap funktionieren in friedlicher Co-Existenz. Hin und wieder gibt es den traditionellen Beef, der aber auch dazu gehört, weil er im besten Fall die Kreativität der Künstler fördert und den Hunger der Hörer mit unterhaltsamer Lyrik stillt.

Angefangen hat die Geschichte deutschsprachiger Rapmusik in den 80er-Jahren. Dort beginnt Michael Münchs Dokumentation, indem er Veteranen und Vertreter der damals sehr kleinen Community zu Wort kommen lässt. Von den holprigen, unschuldigen Anfängen über die goldene Ära in den 90ern, Aggro Berlin und dessen Vermächtnis in den 2000ern bis heute durchstreift der Regisseur mithilfe einer beachtlichen Anzahl an Interviewgästen den Aufstieg der in den USA verwurzelten Kultur.

Ich könnte mir die Auseinandersetzung mit diesem Thema stundenlang anschauen. Umso ernüchternder fiel der Blick auf die Uhr aus, als bereits nach 80 Minuten Schluss war… und noch lange nicht alles gesagt wurde. Inhaltlich ist das, was Künstler wie die Stieber Twins, Toni L, Samy Deluxe, Afrob, Blumtopf, DJ Mad, sido, Marteria, Chefket, MC Rene und Smudo von sich geben, relevant, ehrlich, witzig und gehaltvoll. Aber es fehlt eben auch eine Menge und viele Ansätze wurden nicht weiterverfolgt. Keine Erwähnung der enorm wichtigen Breakdance-Szene in der DDR? Wo waren die weiblichen Rap-Künstlerinnen? Die Kommerzialisierung durch die Major Labels wurde besprochen, aber warum nimmt man sich nicht, wenn man schon beim Thema ist, Konsorten wie Oli P. vor? Sicher kein Lichtblick deutscher Hip Hop Geschichte, aber es gehört nun mal dazu!

Mehr Archiv- und Referenzmaterial wie TV- und Konzertmitschnitte sowie Berichterstattungen z.B. über den ach so bösen Einfluss auf die Jugend hätten der recht starren, monotonen Struktur gut getan. Interviews mit Labelbetreibern, Journalisten und Musikwissenschaftlern hätten der Doku mehr Tiefe, Abwechslung und Umfang gegeben. Stattdessen hätte man auf die bemüht wirkenden Einspieler verzichten können, die wohl eingestreut wurden, um die Säulen des Hip Hops auf rein visueller Ebene zu präsentieren.

Für Einsteiger ein guter Crash-Kurs, der zweifellos einen informativen Blick wirft auf ein über 30 Jahre währendes, essentielles Kapitel deutscher Musikgeschichte. Aber wenn man es sich zur Aufgabe macht, drei Jahrzehnte deutscher Rapgeschichte zu beleuchten, sollte man sich der Materie ausführlicher widmen. Für Fans und Heads nichts Halbes und nichts Ganzes, dafür ein nett anzuschauender Exkurs oder das Snippet zu den Alben, die man sich mal wieder anhören könnte.

Die Doku läuft seit dem 30. März im Kino!

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