Garcias Retrospektive: NIGHTMARE 2 – DIE RACHE

Heute vor 30 Jahren lief „Nightmare II – Die Rache“ in den westdeutschen Kinos an!

Nachdem „Nightmare – Mörderische Träume“ zum Überraschungserfolg an den Kinokassen avancierte, war klar, dass eine Fortsetzung her musste. Das Produktionsstudio New Line Cinema erkannte das Potenzial eines Franchises und machte sich sofort an die Arbeit eines Nachfolgers.

Jack Sholder („The Hidden“), der für New Line bis dato einen Film („Alone in the Dark“) drehte und ansonsten Trailer schnitt, übernahm die Regie, da es zwischen Schöpfer Wes Craven und Produzent Robert Shaye Differenzen gab und Craven sowieso kein Bock auf ’ne Fortsetzung hatte. Für die männliche Hauptrolle Jesse Walsh sprachen u.a. Brad Pitt und Christian Slater vor. Letztendlich fiel die Wahl auf Mark Patton, wobei zumindest Brad Pitt später doch noch mit Freddy zu tun hatte! Jesses Freundin Lisa wurde von Kim Myers gespielt, deren Vorteil beim Casting es war, dass sie aussah wie die junge Meryl Streep.

Nach dem Erfolg des ersten Teils stieg auch der Wert von Freddy-Darsteller Robert Englund. Seiner Gagenforderung wollte New Line nicht Folge leisten, was dazu führte, dass man einem Statisten(!) die Rolle des verbrannten Killers gab. Unter die Maske könne man schließlich jeden stecken. Weit gefehlt: die ersten Aufnahmen waren so desaströs, dass man sich doch wieder an Robert Englund wandte – für mehr Gage. Heutzutage unvorstellbar, einen anderen Schauspieler in der ikonischen Rolle in einer der populärsten Horrorreihen aller Zeiten zu sehen (das Remake zählt hier nicht!). Nichtsdestotrotz hat der Statist es in den fertigen Film geschafft. In der Szene in der Dusche der Männerumkleidekabine sieht und erkennt man den „anderen“ Freddy, der von der Statur und vom Gang her völlig fremd wirkt.

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© Warner Bros. / New Line Cinema

Der Film gilt trotz seines Erfolgs am Box-Office und der mutigen Entscheidung, die inhaltlich gesteckten Regeln des ersten Teils radikal aufzubrechen, als einer der enttäuschenderen und unter Fans weniger beliebten Beiträge im Franchise. Auch hierzulande avancierte die Fortsetzung zu einem moderaten Erfolg, der jedoch nicht an den des Erstlings anknüpfen konnte – im Gegensatz zu den Besucherzahlen in den USA. Dort spielte „Freddy’s Revenge“ knapp 30 Millionen Dollar und damit ca. 5 Millionen mehr als sein Vorgänger ein.

Und während die Amis bereits den dritten Teil im Kino genießen durften, brachte der Filmverleih Delta „Nightmare 2 – Die Rache“ am 19. März 1987 – fast zwei Jahre nach dem US-Kinostart – in die westdeutschen Kinos. Ungeschnitten mit einer Jugendfreigabe für alle Fans ab 16 Jahren. Am Ende seiner Auswertung verzeichnete der Film 177.300 Besucher und positioniert sich somit auf Platz 4 in der Charthistorie der originären Reihe.

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Deutsches Kinoposter © Delta Film

Zwar lief „Nightmare 2“ in der regulären Kinoauswertung mit etwas Verzug, allerdings feierte der Film seine Weltpremiere im Oktober 1985 im Rahmen der 19. Internationalen Hofer Filmtage in Nordbayern. Ein Jahr zuvor fand dort im Übrigen auch die Weltpremiere des Originals statt!

Trotz seiner Kinofreigabe ab 16 galten bei der FSK-Prüfung für den Videomarkt strengere Kriterien. Um die jugendfreie Alterseinstufung beizubehalten, entschied man sich also bei Rechteinhaber Warner Home Video dazu, den Film zu schneiden. Im Oktober 1987 im Verleih und später im August 1989 im Verkauf veröffentlichte Warner eine um drei Minuten gekürzte Fassung, die letztendlich um all ihre effektvollen Schauwerte beraubt wurde. Selbst ein paar Po-Klatscher mit einem Handtuch fielen der Schere zum Opfer.

Bis zur DVD-Auswertung blieb es die einzige (legale) auf VHS erhältliche Fassung in Deutschland. Warum man damals keine ungeschnittene Fassung parallel veröffentlicht oder nachgeschoben hat, kann ich mir nur dadurch erklären, dass man entweder eine Freigabeverweigerung durch die FSK oder eine spätere Indizierung befürchtet hatte und vermeiden wollte.

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Inlay der deutschen VHS © Warner Home Video GmbH

Neben „Freddy’s New Nightmare“ bildet Teil 2 den einzigen Beitrag innerhalb der originären Reihe, der niemals indiziert wurde. Lange Zeit kannte ich nur die 16er-Fassung der VHS, die ich als Jungspund auf ’nem Flohmarkt ergattert habe. Welche Schauwerte mir diese vorenthielt, konnte ich erst im Abspann des sechsten Teils sehen, in dem nochmal eine Art Best Of aller Vorgänger gezeigt wurde.

Ich mag den Film, da er von der gleichen Atmosphäre lebt wie sein Vorgänger, auch wenn man einige absurde Momente nicht abstreiten kann. Wie eingangs erwähnt, erfreut sich der Film nicht der gleichen Popularität wie z.B. Wes Cravens Original oder „Dream Warriors“, er genießt allerdings Popularität als der unabsichtlich schwulste Horrorfilm.

Weniger amüsant für Hauptdarsteller Patton, der im wahren Leben ebenfalls homosexuell ist, was im Hollywood der 1980er noch ein absolutes Tabuthema war. Die kommende Doku Scream, Queen: My Nightmare on Elm Street begleitet den HIV-infizierten Schauspieler auf Conventions, bei Interviews mit Cast- und Crew-Mitgliedern von „A Nightmare on Elm Street – Freddy’s Revenge“ und beleuchtet den Werdegang seit seiner Hauptrolle im berühmt-berüchtigten Sequel von 1985.

Nach der epischen Doku „Never Sleep Again“ und „I Am Nancy“ über Heather Langenkamp (Nancy aus Teil 1, 3 und 7) nun eine weitere Doku, die das Horror-Franchise um Freddy Krueger aus einer anderen Perspektive zeigt. Ich freue mich darauf. Was mich jedoch stört, ist, dass Patton zu sehr in die Opferrolle gedrängt wird (ob und wieviel Einfluss er auf die Inszenierung hatte, weiß ich nicht) und Regisseur Jack Sholder sowie Drehbuchautor David Chaskin fast schon verteufelt werden, wissentlich einen angeblich homophoben Film gedreht zu haben. Naaa ja,…

Die Finanzierung via Kickstarter scheint abgeschlossen, eine Sneak Preview wurde bereits veröffentlicht und man sitzt wohl gerade am Schnitt. Mal schauen, wie lange es dauert, bis man sich die Doku anschauen kann.

Auf den zweiten Teil wurde in den kommenden Sequels übrigens kein Bezug mehr genommen, im 3. Teil knüpfte man an das Original an und führte diese Storyline bis zum Ende fort.

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