Garcias Kurzreview: BOSTON

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© STUDIOCANAL Germany GmbH

Nun, Filme basierend auf wahren Ereignissen, die, wie in diesem Fall, auch noch gar nicht so lange her sind – die Anschläge ereigneten sich im April 2013 -, sind so eine Sache. Kann man eine solch aktuelle Tragödie, an der viele Beteiligte und Betroffene womöglich immer noch zu knabbern haben, als Grundlage für einen Action-Thriller nehmen? Oder wird hier das Schicksal dutzender Opfer trotz der üblichen Respektsbekundungen zum Zwecke eines Hollywood-Spektakels ausgeschlachtet und reißerisch aufbereitet? Ja! Nein! Ich mein‘… Jein!

Wichtig ist es, Distanz zu schaffen, zwischen den tatsächlichen Ereignissen und dem Spielfilm zu differenzieren, egal, wie wahrheitsgetreu er die Anschläge beim Boston Marathon nacherzählt. So zumindest mache ich das. Und als fiktionales Actiondrama funktioniert er hervorragend für mich. Die Einführung der (vielen) Charaktere, das Attentat, die Ermittlungen und die anschließende Jagd auf die Täter. Alle Versatzstücke fusionieren zu einem fesselnden Konstrukt, das ich als Peter Bergs bisher ausgereiftestes und bestes Werk bezeichnen würde. Allerdings habe ich „Deepwater Horizon“ noch nicht gesehen.

BOSTON
© STUDIOCANAL Germany GmbH

Der dem Thema und Originaltitel („Patriots Day“) naheliegende Patriotismus hält sich meiner Ansicht nach in Grenzen. Ein sehenswerter Cast – Mark Wahlberg, John Goodman, Kevin Bacon und J.K. Simmons – leistet gute Arbeit. Das Highlight des Films bildet jedoch die Watertown-Schießerei. Allein deswegen will ich den Film noch einmal sehen. Spannend aufgebaut und großartig inszeniert.

Anhand dieser Szene zeigt sich, wie wichtig es ist, den Film als fiktionales Produkt zu betrachten und vom realen Ereignis zu trennen. Warum? Weil ich sagen will, dass die Szene GEIL war! Geil, weil die Explosionen und Schießereien so roh und authentisch daherkamen. Geil, weil es ein geiles Duell zwischen Polizei und Attentätern war.

Über die Daseinsberechtigung des Films oder dessen zeitlicher Distanz zu den Ereignissen kann man streiten, ich tu’s nicht. Wenn er zu konstruktiven Diskussionen anregt, gut. Wenn er Zuschauer dazu bringt, die Tragödie und ihre Hintergründe kritisch zu hinterfragen, auch gut. Und wenn er als vom realen Leben losgelöstes Unterhaltungsprodukt funktioniert, noch besser!

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