David Lynch – Eine Karriere in 12 Songs

Durch seine Filme ist David Lynch sicher am bekanntesten geworden. Jedoch gilt seine Leidenschaft neben der Fotografie und Malerei, die er seit seiner Jugend ausgiebig betreibt, auch der Musik. Sowohl bei den Soundtracks seiner Filme als auch bei diversen Kollaborationen war Lynch aktiv am Entstehungsprozess beteiligt – sei es als Komponist, Texter oder Sänger.

Angelo Badalamenti bildet einen essentiellen Teil im filmischen Schaffen David Lynchs. Fast jeden seiner Filme hat der Komponist musikalisch untermalt. Neben dessen Scores sind es aber auch die poppigen Schnulzen der 50’s & 60’s, die Balladen oder die besinnlich-experimentellen Lieder, die die Soundtracks von „Blue Velvet“ oder „Mulholland Drive“ so wunderbar einzigartig und markant machen und einen bizarren Kontrast zu den düsteren Welten bilden, die der Regisseur entwirft.

Im Folgenden stelle ich euch lyncheskes Liedgut vor, das die Karriere und Filmographie des Künstlers meiner Meinung nach recht treffend wiedergibt.

1. Laurel Near – In Heaven

(aus „Eraserhead“, 1977)

Die ‚Frau im Heizkörper‘ singt das gleichzeitig medidativ angehauchte und unheimliche „In Heaven“. Darstellerin Laurel Near mit abstoßender Maske hat den Song jedoch nicht selbst gesungen. Die Stimme, zu der sie ihre Lippen bewegt, stammt von Peter Ivers, der das Lied auf Lynchs Wunsch hin komponiert hat. Die Szene, in der das Lied vorgetragen wird, könnt ihr euch hier anschauen.

Nach diversen Kurzfilmen stellt „Eraserhead“ David Lynchs Spielfilm-Debüt dar, mit dem er 1977 die Marschrichtung, die seine späteren Werke verfolgen, bereits deutlich vorgibt.

 

2. Samuel Barber – Adagio For Strings

(aus „Der Elefantenmensch“, 1980)

Die bekannte Melodie aus „Adagio For Strings“ wurde neben etlichen anderen Einsätzen in Film und Fernsehen auch sehr prominent u.a. in Oliver Stones Antikriegsfilm und Vietnamverarbeitung „Platoon“ benutzt, um die dramatische Wucht musikalisch festzuhalten. Gleiches gilt für diesen Film…

Filmikone Mel Brooks wurde durch Lynchs Erstlingswerk auf ihn aufmerksam und bot ihm die Regie für „Der Elefantenmensch“ an. Das in schwarz-weiß gehaltene Porträt eines deformierten Menschen gehört zu den ganz wenigen zugänglichen Werken des Künstlers.

 

3. Roy Orbison – In Dreams

(aus „Blue Velvet“, 1986)

Ursprünglich wies Roy Orbison David Lynchs Anfrage, den Song für den Film benutzen zu dürfen, zurück. Als der Sänger den Film später sah, änderte er seine Meinung und drehte ein Musikvideo, welches von Lynch produziert wurde und Szenen aus dem Film enthält.

Im Film bewegt ein verstörender Dean Stockwell Lippen und Hüften zu dem Song und wenig später tanzt eine Frau auf einem Autodach dazu, weil es das Lieblingslied des perversen Tyranns Frank Booth (Dennis Hopper) ist.

 

4. Bobby Vinton – Blue Velvet

(aus „Blue Velvet“, 1986)

„In Dreams“ war nicht die einzige musikalische Hürde, mit der sich die Macher konfrontiert sahen. Für Bobby Vintons gleichnamigen Song – der von Lynch als Inspiration für den Film gilt – wollte man die teuren Lizenzen nicht bezahlen. Also lud man Vinton ins Studio ein und nahm den Song erneut auf. Da dieser jedoch, über 20 Jahre nach den Aufnahmen, nicht mehr so jungenhaft klang, kaufte man letztendlich doch die Rechte.

Im Film wird das Lied verführerisch schön von Isabella Rossellini interpretiert, begleitet von Angelo Badalamenti am Piano.

 

5. Julee Cruise – Mysteries Of Love

(aus „Blue Velvet“, 1986)

Da This Mortal Coils „Song To The Siren“ zu einem seiner Lieblingslieder gehört, wollte Lynch es unbedingt in seinen Film einbauen, doch die hohen Lizenzgebühren stellten ein finanzielles Problem dar. Also produzierte Komponist Angelo Badalamenti ein Lied, das sich an dem Song orientierte, engagierte Julee Cruise für die Vocals, die einem Engelsgesang gleichkommen sollten und herauskam das verträumte, schwerelose „Mysteries Of Love“.

 

6. Chris Isaak – Wicked Game

(aus „Wild At Heart“, 1990)

Jeder kennt das Video von Chris Isaak, wie er sich bei dem Lied mit Model Helena Christensen im Sand wälzt. Die erste Version des Videos ist jedoch unter der Regie von David Lynch entstanden. Könnt ihr hier sehen:

Populär wurde „Wicked Game“, als es als Instrumentalversion in „Wild At Heart“ verwendet wurde.

 

7. Julee Cruise – Falling

(aus „Twin Peaks“, 1990-1991)

Meine ersten Berührungspunkte mit „Twin Peaks“ kamen durch Julee Cruises Song „Falling“. Irgendwann um die Jahrtausendwende habe ich das Video mit der mir seltsam vertrauten Titelmelodie von Angelo Badalamenti gesehen:

 

8. Rammstein – Rammstein

(aus „Lost Highway“, 1997)

Neben „Heirate mich“ war auch dieses Lied auf dem Soundtrack des Films vertreten.

Durch die Verwendung beider Lieder trug Lynch dazu bei, dass die Band internationale Aufmerksamkeit erfuhr.

 

9. This Mortail Coil – Song To The Siren

(aus „Lost Highway“, 1997)

Eins von Lynchs absoluten Lieblingsliedern, das er bereits für „Blue Velvet“ verwenden wollte, fand endlich seinen Weg in eines seiner Werke. Auf dem offiziellen Soundtrack ist es jedoch nicht vertreten.

Ursprünglich stammt das Lied von Tim Buckley. Die von This Mortail Coil eingesungene Interpretation gilt als die bekannteste Coverversion.

 

10. David Bowie – I’m Deranged

(aus „Lost Highway“, 1997)

Zwei legendäre Davids und ein Songtitel, der den Film passend umschreibt.

Im Film bildet der Song von Bowie den Auftakt und ist in den End Credits zu hören.

 

11. Linda Scott – I’ve Told Every Little Star

(aus „Mulholland Drive“, 2001)

„This Is The Girl“

„Excellent Choice, Adam“

 

12. David Lynch & Lykke Li – I’m Waiting Here

(aus „The Big Dream“, 2013)

Bei „I’m Waiting Here“ handelt es sich nicht um einen Song, der auf dem Soundtrack einer seiner Filme vertreten war. Aber stilistisch reiht er sich in die Auswahl ein und er würde perfekt in einen seiner Filme passen. Erschienen ist das Lied auf Lynchs aktuellem Album The Big Dream, wobei er den Gesangspart der schwedischen Indie-Pop-Künstlerin Lykke Li überlassen hat.

 

In eigener Sache: Der Artikel, den ich so auch in meinem Blog auf Moviepilot veröffentlicht habe, hat es am Freitag auf die Startseite geschafft. 🙂

mp

 

 

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