Garcias Retrospektive: Ein Rückblick auf das Kinojahr 1986

Was haben „Taxi Driver“ und „Fargo“, „Blue Velvet“ und „Independence Day“ oder „The Hills Have Eyes“ und „Howard the Duck“ gemeinsam? All diese Filme sind in erster Linie ziemlich cool, aber sie feiern 2016 auch ihr Jubiläum. In meinem kleinen Film-Exkurs möchte ich von Zeit zu Zeit ein paar (meiner) Highlights von 1976 bis 2006 näher vorstellen.

1986

1986
© 20th Century Fox | Warner Bros | MGM

Der Überflieger des Jahres an den US-Kinokassen heißt „Top Gun“ und katapultiert Tom Cruise endgültig in die A-Riege Hollywoods. Mit „Aliens“ dreht James Cameron eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten, die sowohl action- als auch erfolgreicher daher kommt. John Hughes, Spezialist für intelligent-witzige und tragikomische Teenagerfilme, schließt mit „Ferris macht blau“ seinen dreijährigen 30-Millionen-Dollar-Deal krönend ab, dem „Sixteen Candles“, „Breakfast Club“ und „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“ entsprangen.

In Deutschland führt die Bestseller-Verfilmung „Der Name der Rose“ die Kinocharts an, keiner kann die Kadetten der „Police Academy“ in ihrer dritten Mission bremsen und Sylvester Stallone ist gleich mit zwei Filmen in den Top 10 vertreten. Zum einen boxt er sich mittlerweile zum vierten Mal zum Erfolg – gegen den menschgewordenen Kommunismus auf zwei gut geölten Beinen. Zum anderen macht er als zahnstocherkauender, sprücheklopfender Bulle mächtig Welle – auf Platz 10 in den deutschen Jahrescharts und am Anfang meiner Highlights aus dem Jahr 1986:

Die City Cobra

 (Cobra)

US-Kinostart: 23.5.1986
Kinostart BRD: 2.10.1986

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© Warner-Columbia

Auf seinem Auto-Kennzeichen prangt „AWSOM“, er schneidet Pizza mit einer Schere und auf sein Konto gehen mehr Leichen als auf das der Bösewichte. Marion Cobretti aka Cobra ist die prollige Ausgeburt von Stallones exzentrischer Persönlichkeit. So cool, dass ich wegen eingefrorener Finger kaum schreiben kann.

Gut, dass Good Bad Flicks ein knackiges Videoessay für euch aufbereitet hat:

Es war ein steiniger Weg bis zum fertigen Schnitt. Alle mischten mit und sorgten unweigerlich für einhergehende Kontinuitätsfehler in der Handlung. Stallone, der sich angeblich mehr Screentime eingeräumt hat. Warner, die den ursprünglich über zweistündigen Film auf 87 Minuten gestutzt haben, um ihn rasanter zu machen und mehr Vorstellungen pro Tag bei der Kinoauswertung zu bekommen. Und letztendlich hatte die MPAA auch noch ein Wörtchen mitzureden. Um das finanziell schädliche X-Rating zu vermeiden, musste der Film einige Schnittauflagen befolgen, bevor er in seiner jetzigen R-Rated-Fassung veröffentlicht werden durfte. Das folgende Video veranschaulicht dies recht ausführlich:

Für Warner Bros war das Startwochenende von „Cobra“ in den USA mit über $12 Millionen das bis dato erfolgreichste in ihrer Unternehmensgeschichte. Insgesamt spielte der Film dort $49 Millionen ein. International räumte Stallones Ego-Trip noch mächtiger ab mit Einnahmen von $160 Millionen!

In Deutschland hatte Stallone seine eingeschworene Fangemeinde, die „Die City Cobra“ zum zehnterfolgreichsten Film des Jahres machten. Über 1,7 Millionen Zuschauer sahen sich die leicht geschnittene FSK18-Fassung im Kino an.

Für mich gehört der 80s-typische Action-Kracher zu meinem Lieblingsfilm von Stallone, was nicht zuletzt an der herrlich abgefahrenen Szene unten liegt. Alles in den folgenden zwei Clips lässt deinen Computer einen Bart wachsen! Der weltmännische Song der Miami Sound Machine, das kesse Einparken, Pizza zubereiten wie ein Profi und der schwungvolle Umgang mit der Fernbedienung.

Nachdem „Die City Cobra“ 25 Jahre auf dem Index verweilen musste, wurde er 2012 von der Liste gestrichen und ungekürzt mit „Keine Jugendfreigabe“ aus dem Stall gelassen. Kurz darauf hat Warner dem Testosteron-Klotz seine Blu-ray-Premiere spendiert.

Invasion vom Mars

(Invaders From Mars)

US-Kinostart: 6.6.1986
Kinostart BRD: 7.8.1986

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© Scotia-Cannon International

Wie fast jeder Film aus der berühmt-berüchtigten Produktionsschmiede Cannon Films wurde das Remake des gleichnamigen Films von 1953 als ganz großer Science-Fiction-Blockbuster angekündigt. Und wie bei fast jedem Film von Cannon traf auch hier das Gegenteil ein. Bei einem geschätzten Budget von $12 Millionen spielte er in den USA lediglich $4,8 Millionen ein. Auch in den deutschen Kinos legten die Außerirdischen eine Bruchlandung hin und kamen nicht einmal unter die 100 besten Kinofilme des Jahres.

Tobe Hooper, Regisseur von Klassikern wie „Blutgericht in Texas“ und „Poltergeist“ und großer Fan des Originals, drehte eine Version mit der die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus nicht wirklich zufrieden waren. So richtig kann sich der Film nicht entscheiden, ob er kinderfreundlicher Grusel oder ernsthafte Science-Fiction sein will. Beginnt der Film noch recht atmosphärisch, verliert er seinen Kurs in der zweiten Hälfte.

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Ein Bild, das sich als Kind eingebrannt hat: Louise Fletcher mit Frosch im Mund © Koch Media

Den Geist einer vom Kalten Krieg geprägten Gesellschaft, den das Original inne hatte, könnte man auch hier hinein interpretieren. Schließlich lag man immer noch im Clinch mit der sowjetischen Weltmacht und Remakes aus der Ära der Paranoia, die die 50er-Jahre begleitete, waren keine Seltenheit („Die Körperfresser kommen“,“Das Ding aus einer anderen Welt“, „Der Blob“ und, wenn man den inhaltlichen Rahmen etwas erweitert, auch „Die Fliege“, später dazu mehr). Dennoch würde ich bei diesem Film nicht so weit gehen, ihn als Parabel auf die Furcht vor dem roten Feind zu deuten.

Koch Films hat den Film im schicken Mediabook inklusive dem 1950er-Original sowie einzeln auf DVD & Blu-ray veröffentlicht. Ungeschnitten – denn beide Filme wurden in Deutschland um ihr ursprüngliches Ende beraubt.

Blue Velvet

US-Kinostart: 19.9.1986
Kinostart BRD: 12.2.1987

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© Alamode Film – Fabien Arséguel e.K.

Auszug aus dem Artikel 30 Jahre “Blue Velvet”:

Als „Blue Velvet“ am 19. September 1986 in die US-amerikanischen Kinos kam, wurde er überwiegend negativ besprochen. Erst nach und nach wurden positive Stimmen laut, die dem Film seine Brillanz anrechneten, die er verdient hat. Denn Regisseur David Lynch lief hier wieder zu Höchstform auf, nachdem seine Verfilmung von „Dune – Der Wüstenplanet“ sowohl von Kritikern als auch vom Publikum verrissen wurde. Für die Adaption des Romans von Autor Frank Herbert verzichtete er sogar auf das Angebot, bei „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ Regie zu führen.

Es war die erste Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur, der vorher mit „Eraserhead“ und „Der Elefantenmensch“ auf sich aufmerksam machte, und dem Produzenten Dino De Laurentiis. Und alles deutete daraufhin, dass es auch die letzte sein sollte. Doch De Laurentiis wollte erneut mit dem sympathischen Kollegen zusammenarbeiten, also erzählte Lynch ihm von „Blue Velvet“.

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Regisseur David Lynch, Laura Dern und Kyle MacLachlan © MGM

Die Dreharbeiten begannen im August 1985 in Wilmington, North Carolina. Kyle MacLachlan, mit dem Lynch vorher bei „Dune“ und wenige Jahre später bei „Twin Peaks“ zusammenarbeitete, übernahm die Rolle des neugierigen, voyeuristisch veranlagten Kleinstadt-Träumers Jeffrey Beaumont. Laura Dern, die von Lynch ebenfalls in späteren Werken wie „Wild At Heart“ und „Inland Empire“ besetzt wurde, spielte das leicht naive, liebenswerte All-American-Girl Sandy Williams, das sich in Beaumonts enthusiastische Pläne, Detektiv zu spielen, hineinziehen lässt. Für den abgründigen Gegenpart konnten Dennis Hopper als Frank Booth und Isabella Rossellini als Dorothy Vallens gewonnen werden.

Ergänzt werden Cast und die Story durch die exzellente Besetzung der Nebenrollen. Brad Dourif, Jack Nance (bekannt aus Lynchs „Eraserhead“ und „Twin Peaks“) und Dean Stockwell. Letzter ist fabelhaft in dieser Szene, in der er Roy Orbisons „In Dreams“ zum Besten gibt:

Wie die Musik steht auch das Setting im völligen Kontrast zum verstörenden Geschehen, das sich hinter der Fassade einer scheinbar idyllischen, typisch amerikanischen Kleinstadt verbirgt. Dieser Gegensatz widerspiegelt sich in den Charakteren, allen voran in den von Isabella Rossellini und Dennis Hopper verkörperten Figuren. „Blue Velvet“ funktioniert auf mehreren Ebenen und löst beim Betrachter unterschiedliche Gefühle aus. Unbehagen mischt sich mit Komik und Entsetzen mit Erlösung, wenn der lyncheske Surrealismus auf die heile Welt des konservativen Kleinstädters trifft.

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© MGM

„Blue Velvet“ pendelt sich irgendwo zwischen „Der Elefantenmensch“ und „Mulholland Drive“ ein, was die Zugänglichkeit betrifft. Dennoch waren sich die Produzenten, unter anderem auch Dino De Laurentiis, nachdem sie den Film zum ersten Mal sahen, nicht sicher, was man damit anstellen soll und wer den Film verkaufen soll. Also gründete De Laurentiis kurzerhand die De Laurentiis Entertainment Group und vertrieb den Film selber.

Bei einem Budget von knapp $6.000.000 spielte der Film in den USA etwa $8.500.000 ein. In Deutschland sahen fast 800.000 Kinozuschauer den Film. Damit konnte er sich in den deutschen Jahrescharts sogar noch vor „Predator“, „Der kleine Horrorladen“ und „Eine Familie zum Knutschen“ behaupten.

Der Film ist auf Blu-ray & DVD erhältlich!

Howard – Ein tierischer Held

(Howard The Duck)

US-Kinostart: 1.8.1986
Kinostart BRD: 18.12.1986

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© United International Pictures

Warum man das Jubiläum von „Howard – Ein tierischer Held“ feiern und sich den Film anschauen sollte:

  • Produzent George Lucas, damals verschuldet, musste nach dem Flop des Films (dank der internationalen Einnahmen konnten zumindest die Produktionskosten gedeckt werden) Besitzeigentümer seiner Skywalker-Ranch verkaufen
  • Gewinner von 4 Goldenen Himbeeren
  • Frank Price, damaliger Chef von Universal Pictures, trat zurück
  • für Willard Huyck war es der letzte Film, bei dem er Regie geführt hat
  • gilt weitläufig als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten
  • IMDb-Wertung von 4,5, bei Rotten Tomatoes 14%

Im Kino und auf VHS kam der Film in Deutschland nur geschnitten heraus, um eine FSK12-Freigabe zu erhalten. Zwar konnte das UIP (United International Pictures), den Verleih, hierzulande auch nicht vor einem Flop bewahren – lediglich 157.000 Zuschauer zog der Film ins Kino -, aber immerhin entwickelte sich die Comic-Verfilmung im Laufe der Jahre zu einem gern und oft gesehenen ‚Guilty Pleasure‘ für Leute wie mich. Auf DVD & Blu-ray gibt es ihn mittlerweile ungeschnitten, freigegeben ab 16 Jahren.

Wer weiß, vielleicht erlebt Howard ja irgendwann sein Revival auf der großen Leinwand. Die After-Credit-Scene in „Guardians of the Galaxy“ sorgte auf jeden Fall für Wiedersehensfreude …

Die Fliege

(The Fly)

US-Kinostart: 15.8.1986
Kinostart BRD: 8.1.1987

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© 20th Century Fox

Die Neuauflage des gleichnamigen Originals von 1958 mit Vincent Price zählt bis heute zu einem der besten Remakes, da der Film einen ganz neuen Ansatz wählt. Anders als in der Vorlage hört die Geschichte dort auf, wo das Original beginnt. Der Zuschauer begleitet den Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) bei dem verhängnisvollen Selbstversuch einer Teleportation, dem anschließenden Zerfall und der Verwandlung in eine menschengroße Fliegenmutation.

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Davor & danach © 20th Century Fox

Cronenberg musste die Regie anfangs ablehnen, da er mit den Arbeiten an „Total Recall“ beschäftigt war. Ja, dem „Total Recall“ mit Arnold Schwarzenegger, der letztendlich unter der Regie von Paul Verhoeven realisiert wurde. Aufgrund eines tragischen Vorfalls in der Familie von Robert Bierman – dem Regisseur, der nach Cronenbergs Absage mit der Umsetzung von „Die Fliege“ beauftragt wurde – und seinem darauffolgenden Ausstieg aus dem Projekt, kehrte Cronenberg zurück, da wiederum seine Adaption der Philip K. Dick-Kurzgeschichte in der Entwicklungshölle stecken blieb. Gut so, obwohl ich eine Cronenberg’sche Interpretation auch gern gesehen hätte. SFX-Meister Chris Walas („Gremlins“) wurde für die genialen, ekelhaft-faszinierenden Effekte zu Recht mit einem Oscar® gewürdigt.

Das erste Mal hatte ich einen Teil von „Die Fliege“ bei einem Kindergeburtstag(!) eines Freundes gesehen. Als wir hörbar auf die Fingernagel-Szene reagierten, hat der Vater des Geburtstagskindes eingesehen, dass der Film vielleicht doch nichts für uns ist und den Film aus dem Kassettenrekorder geholt!

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© Twentieth Century Fox

In Westdeutschland lief der Film am 8. Januar 1987 an und brachte es auf knapp 1 Million Besucher. In den USA spielte der Film über $60 Millionen ein und brachte es auf eine Fortsetzung mit Eric Stoltz, die drei jahre später in die Kinos kam, an den Erfolg seines Vorgängers jedoch nicht anknüpfen konnte.

Der Film ist in verschiedenen Varianten auf DVD & Blu-ray erhältlich.

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