JURASSIC PARK – Eine Reise zurück zur Isla Memoria

Jurassic Park lief am 2. September 1993 in den deutschen Kinos an und sorgte natürlich auch hierzulande für klingelnde Kassen. Über 9 Mio. Zuschauer sahen den bahnbrechenden Blockbuster hierzulande.

Als begnadeter Dino-Fan, der ich als Kind gewesen bin, war dieser Film natürlich Pflichtprogramm. Im Kino durfte ich ihn damals noch nicht anschauen, dafür wurde mir das Warten mit soviel Merchandise, wie mein Taschengeld und die Großzügigkeit meiner Eltern hergaben, leichter gemacht. Zu Weihnachten (es müsste ’93 oder ’94 gewesen sein) bekam ich die Kommandozentrale mit Parkgehege, für die man bei Amazon mittlerweile über 1.000 € blechen muss. Zwischendurch stockte ich meine Sammlung mit dazugehörigen Action-Figuren, Dinos und Autos auf. Ich hatte nicht alle Collectibles, aber von allen Collectibles hatte ich viel. Ich spielte und zeichnete meinen eigenen Jurassic Park, bevor ich Spielbergs Verfilmung zu sehen bekam. Alles was die kindliche Fantasie hergab, wurde mit Spielzeug, Malstiften und Papier umgesetzt.

Es gibt ein PC-Spiel von Jurassic Park, welches mein Bruder und ich zu Weihnachten geschenkt bekamen. Und es gibt ein Video, das unsere überschwängliche Freude dokumentiert, die bei Erscheinen des Logos ausbricht und sich zudem darin äußert, dass ich von Schussgeräuschen bis zum letzten Räuspern alles vertone, was auf dem Bildschirm passiert. Sehr weit sind wir in dem Spiel aber nie gekommen.

Dann erschien die VHS. Mein Vater und ich standen vorm Videoregal im Media Markt und ich bettelte und bettelte ihn an, sie zu kaufen, war fast den Tränen nah, weil er aufgrund des Preises zögerte. Letztendlich gab er nach und Papa hat der Nervensäge ihren Wunsch erfüllt. Er sollte es nicht bereuen, denn auch er war, als wir den Film anschließend zu Hause angeschaut haben, beeindruckt von seiner Machart. So beeindruckt, dass er meine Mutti, die gerade irgendwo, nur nicht im Wohnzimmer war, zu uns rief, als der T-Rex seinen ersten Auftritt hatte: (in ostdeutschem Dialekt) „Orr, Heike, komma her!“ Das Staunen war groß, die Sorge um die kostspielige VHS wie weggeroooaaarrrt.

t-rex
© Universal Pictures

Vielleicht lag es auch gar nicht am Preis, sondern an der Altersfreigabe, die meinen Vater zögern ließ. Aber das bezweifle ich, denn meine Eltern ließen mich und meinen Bruder u.a. auch Total Recall (immerhin die jugendfreie 16er-Fassung) schauen. Fakt ist, dass der Film vor Kinostart eine Debatte um die FSK-Freigabe ausgelöst hat. Die Sorgen von Angela Merkel (damals noch Bundesjugendministerin), der Film könne ihrer Meinung nach auch noch bei 12-jährigen „Angst und Schrecken“ auslösen, sickerten vielleicht auch zu meinem Vater durch. Aber wie gesagt, sein Zögern war wohl eher im Preis begründet. Ein Freund – der die Figuren aus der Spielzeugreihe hatte, die ich nicht besaß – hätte gehört, dass der Film nicht für Kinder sei, weil es eine Sex-Szene zwischen den Hauptfiguren Alan und Ellie gäbe. Hach ja, Kinder …

Damals war mir natürlich nicht bewusst, dass ich da gerade einen meiner All-Time-Favourites sehe und welchen Einfluss er auf mich haben wird. Ironie des Schicksals: Spielbergs Dino-Thriller war insofern prägend für mich, dass er den Wendepunkt markierte, meinen Berufswunsch, Paläontologe zu werden, aufzugeben und „irgendwas mit Film“ zu machen. Somit war Jurassic Park für mich ein einschneidendes Erlebnis, das den Stein meines zukünftigen Schaffens ins Rollen brachte.

Abgesehen von der Tatsache, dass Jurassic Park ein Meilenstein in der Geschichte der CGI ist und bis heute als Paradebeispiel für das perfekte Zusammenspiel aus Animatronics und dem Einsatz computergenerierter Effekte herangezogen wird, verdanke ich es John Williams, der mit der dazugehörigen Filmmusik ein Meisterwerk schuf und wieder einmal der Popkultur seinen Stempel aufdrückte.

soundtrack

Der Soundtrack war eine meiner ersten CDs, die ich mir kaufte und welche bis heute noch in regelmäßigen Abständen im Player rotiert, wenn der Score mal nicht auf spotify läuft. Die zwei Hauptthemen, die dem Film seinen Wiedererkennungswert geben, der bedrohlich untermalte Auftritt der Velociraptoren in der Küche oder dieser Track, der zu den genialsten Stücken von Williams gehört und immer wieder für Gänsehaut sorgt:

Als das Forscher-Team erstmals einen lebendigen Brachiosaurus sieht oder John Hammond wehmütig von seinem Flohzirkus erzählt, all diese Szenen hätten ohne die Musik nur einen halb so bewegenden Effekt.

2013 kam der Film anlässlich seines 20. Jubiläums noch einmal in die Kinos, diesmal in 3D. Die Konvertierung ist äußerst gut gelungen, war für mich aber Nebensache, da ich den Film endlich im Kino, endlich in seiner vollen Pracht genießen durfte. Es war ein fantastisches Erlebnis, die Dinosaurier auf großer Leinwand wüten zu sehen, die Musik von John Williams in Mark und Knochen zu spüren und es hatte einen nostalgischen Bonus. Es war das erste Mal seit 12 Jahren, dass mein Vater ins Kino ging. Meine Eltern und ich in einem Film, der uns damals alle umgehauen hat. Nur mein Bruder hat noch gefehlt.

Irgendwann Mitte der 90er-Jahre: ich legte mich gerade ins Bett, nachdem ich wahrscheinlich das vierte Mal das Buch zum Film gelesen habe, als mein Vater an der Tür klopfte und folgende Neuigkeit überbrachte: „Es kommt eine Fortsetzung von Jurassic Park. Sie heißt The Lost World – Vergessene Welt.“ Während meine Eltern Schweißausbrüche hatten, weil sie ahnten, welche Merchandise-Lawine erneut auf sie zukommen würde, hatte ich den besten Schlaf meines bisherigen Lebens …

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