Countdown to The Get Down

Am 12. August feiert die von Baz Luhrmann und Shawn Ryan kreierte Serie The Get Down ihre Premiere auf Netflix. Die bis dato teuerste Serie des Streaming-Anbieters spielt im New York Ende der 70er-Jahre mit all seinen Geldproblemen, Drogendelikten, seiner Armut und überdurchschnittlich hohen Kriminalität. Mittendrin befinden sich ein paar Jugendliche, die in ihrem Viertel, dem Problembezirk South Bronx, aus der Not eine Tugend machen. Vor dem Hintergrund eines fast zugrunde gehenden New Yorks schildert die Serie aber auch die Entstehung einflussreicher Subkulturen, Punks, Disco und die Geburt des Hip Hops.

Damit ihr euch ein besseres Bild dieses rauen Abschnitts in der Geschichte New Yorks machen und ein gewisses Grundverständnis für die in der Serie thematisierten Problematiken aufbauen könnt, habe ich euch ein paar Empfehlungen zusammengestellt. Um die Trailer zu den jeweiligen Vorschlägen anzuschauen, einfach aufs Poster klicken.

 

Rubble Kings (2010)

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© mTuckman Media

In der Dokumenation von Shan Nicholson dreht sich alles um das New York der 1970er. Dreckig, pleite und gefährlich beschreiben den Zustand, in dem sich einige Ecken der Metropole befanden. In den heruntergekommenen Gegenden wie Brooklyn, Harlem oder der Bronx waren Gang-Kriminalitäten, Drogendelikte und Überfälle an der Tagesordnung. Müde von der schleichenden Dezimierung ihrer eigenen Leute, ihrer Nachbarschaft, ihrer Gemeinde versuchten einige Gangmitglieder, die die Hoffnung auf Hilfe seitens des Staates oder der Stadt schon längst aufgegeben haben, einen Ausweg zu finden und die ständige Schlacht auf ein kreatives Level zu heben, ohne, dass dabei Menschen ums Leben kommen müssen.

Archivaufnahmen, Zeitzeugen, ehemalige Gangmitglieder und Historiker berichten über eine Gesellschaft im Aufbruch und in welch verbrannter Erde der Hip Hop seine Wurzeln schlug. Die Doku kann man sich ebenfalls auf Netflix anschauen.

 

The Warriors (1979)

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© Paramount

Bevor man Rubble Kings schaut, sollte man sich The Warriors ansehen. Nicht, weil man sonst nichts kapiert, sondern weil in der Doku ab und an Bezug auf Walter Hills Film genommen wird.

Als bei einem Treffen aller Gangs von New York ein Waffenstillstand vereinbart werden soll, wird der Anführer Cyrus aus dem Hinterhalt erschossen. Man gibt die Schuld der Gang mit dem titelgebenden Namen. Kilometerweit entfernt von ihrem Revier müssen sich die Warriors von nun an durch die Nacht und feindliche Gang-Territorien kämpfen.

An The Warriors hat der Zahn der Zeit mittlerweile genagt, dafür präsentiert er uns ein ungefiltertes Porträt des urbanen New Yorks, das so nur in den 70er-Jahren, Anfang der 80er entstehen konnte.

„These are the armies of the night. They are 100.000 strong. They outnumber the cops five to one.“ – kein bloßer Slogan, tatsächlich gab es mehr Gangmitglieder als Polizisten. New York bildet da keine Ausnahme.

Der Film erschien hierzulande bisher nur auf DVD von Paramount Pictures.

 

Beat Street (1984)

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© Orion Pictures

Die Bronx in den 80er-Jahren inmitten von Bandenkriegen und Gewalt: Wenn es Nacht wird, bricht das Hip-Hop-Fieber aus. Rapper bekriegen sich mit schnellem Sprechgesang, Graffitisprayer toben sich an U-Bahn-Waggons aus und in den Clubs liefern sich Breakdancer und DJs wilde Battles. In diesem Hexenkessel sind Lee, Kenny, Chollie und Ramon zu Hause. Zusammen wollen sie nur eines: erfolgreich sein und weg von der Straße … (Quelle: Capelight)

Einer der ersten Filme, der sich mit den Elementen des Hip Hops auseinandersetzt und insbesondere das Breaking (oder den Breakdance) als Ausdrucksform für Aggressionsabbau und Konfliktbewältigung thematisiert. Beat Street brachte Hip Hop in den Mainstream und löste einen Hype aus, dessen Einfluss bis in die DDR reichte.

Den Film gibt es in Deutschland sowohl auf DVD als auch auf Blu-ray von Capelight Pictures.

 

Driller Killer – Der Bohrmaschinenkiller (1979) / Maniac (1980)

Okay, jetzt wird’s ungemütlich. Diese zwei Vertreter wollen nicht so ganz ins Schema der bisher genannten passen und sprechen wohl nur einen Bruchteil der Zielgruppe von The Get Down an.

Zum einen haben wir mit The Driller Killer ein Frühwerk Abel Ferraras. Der Regisseur übernimmt hier auch die Hauptrolle in seinem exzentrischen, experimentellen Drama um einen Künstler, dem die Decke auf den Kopf fällt. Stress mit der Freundin, Stress mit den lauten Nachbarn, kein Geld, also auch Stress mit dem Vermieter. Irgendwann wird’s ihm zu bunt und er beginnt, seinen Frust mit einer Bohrmaschine an den Köpfen von Obdachlosen herauszulassen.

Die Low-Budget-Produktion versprüht diesen gewissen Underground-Charme, kann aufgrund seiner unkonventionellen Inszenierung mit der Zeit anstrengend für den geneigten Zuschauer werden. Und eben weil Ferrara kaum Geld zur Verfügung stand, wirkt das Bild, das er von den schmierigen Ecken New Yorks zeichnet, so authentisch-schäbig.

Zu kaufen gibt es die ungeschnittene DVD dank dem Label MIG seit 2011 erstmals legal in Deutschland – 32 Jahre nach Erscheinen des Films.

Zum anderen haben wir William Lustigs umstrittenen, berühmt-berüchtigten Maniac über einen gestörten Frauenmörder. Sicherlich hat der Film nicht dazu beigetragen, dass man sich in New York – vor allem als Frau – sicherer fühlt. Dafür wurde ihm die „Ehre“ zuteil, der erste in Deutschland beschlagnahmte Videofilm zu sein. Die einen bezeichnen den Slasher als Klassiker, die anderen als widerlichen Schmutz.

Schmutzig ist er definitiv. Selten habe ich ein so rohes, unverblümtes und düsteres Bild New Yorks zu sehen bekommen. Wer sich also an die Geschichte traut, erlebt einen Big Rotten Apple, der trotz oder gerade wegen seines dreckigen Flairs so faszinierend ist.

 

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