Garcias Retrospektive: Celebrating „T2“ – Das TERMINATOR-Arsenal

Der Tag der Abrechnung ist gekommen. Heute vor 25 Jahren lief James Camerons von Fans sehnsüchtig erwartete Fortsetzung seines Überraschungs-Hits „Terminator“ aus dem Jahre 1984 in den USA an. „Terminator 2 – Judgment Day“ spielte nach Ende seiner Kino-Auswertung über 500.000.000 US-Dollar weltweit ein und wurde damit zum erfolgreichsten Film 1991!

Wenige Jahre später sollte die gesamte Menschheit einem nuklearen Krieg gegenüber stehen. Wäre dem so, würden wir uns mittlerweile fast 20 Jahre im Kampf mit Skynets Maschinen befinden – zumindest eine Handvoll unserer Spezies. Der T-800, Sarah Connor und ihr Sohn John konnten es jedoch verhindern. Aber hätte, wäre, wenn, … am 29. August 1997 wäre es passiert. Aber lassen wir die Bilder und Sarah sprechen …

Das Intro zählt zu einer der besten Eröffnungssequenzen der jüngeren Filmgeschichte, weil sie das gesamte apokalyptische Szenario, den Terror und die Unterlegenheit der Überlebenden im Kampf gegen die Maschinen in knapp drei Minuten verpackt. Schusswechsel, Explosionen – das pure Chaos.

Doch es ist nicht nur die inhaltliche Komponente, die hier überzeugt, sondern auch die tricktechnische Palette, die das Team von Stan Winston, Fantasy II Effects und 4-Ward Productions auffahren, um den Future War in all seinem destruktiven Umfang zu veranschaulichen. Stop-Motion, Front- und Rückprojektion, Miniaturmodelle. Hört sich heutzutage ziemlich Old School an, aber alles harmoniert unglaublich gut, wirkt überzeugend und realistisch. Ebenso der Sound, für mich ein Alleinstellungsmerkmal des Films. In keinem anderen Film davor und auch danach wurden bestimmte Klänge so betont wie in diesem. Laut Cameron sollen die Sounds nicht unecht, sondern hyperrealistisch klingen. Schaut euch das Intro noch einmal an und genießt bei voller Lautstärke den Moment, wenn das Endoskelett auf den Totenschädel tritt. Göttlich!

Auch als Arnie dem Biker die Shotgun wegnimmt, nachdem dieser meinte, es sei nicht cool, jemandem das Motorrad zu klauen. Alles kleine Momente mit großer Wirkung. Zurecht gab’s den Oscar® für ‚Best Sound‘. Ihr könnt euch schon denken, wohin die Reise geht. Dass das hier ein Loblied auf den Action-Klassiker wird. Falsch gedacht! Der Film ist ein Meisterwerk, keine Frage, aber Reviews gibt’s zuhauf. Ich möchte mich auf das Drumherum konzentrieren. Und mit Drumherum meine ich einen kompakten Überblick an Literatur, Videos und anderen Empfehlungen; eine Sammlung an allem, was den geneigten Terminator-Fan interessieren könnte.

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Was war das wohl für ein Gefühl für die Action- und Arniefans und alle, bei denen dieser kleine Überraschungs-Hit namens „Terminator“ seit seiner Veröffentlichung auf Video in Dauerrotation lief, als sie den Teaser im Kino gesehen haben?

Man muss sich vorstellen: Wir schreiben das Jahr 1990. Eine Reizüberflutung an Film-News, Set-Fotos und den kleinsten (überflüssigen) Bewegtbildschnipseln gab es nicht wirklich. Wer etwas über kommende Filme wissen wollte, bezog die Neuigkeiten aus Zeitungen, Magazinen, dem Fernsehen oder Radio. Und so kam es vor, dass der Teaser zu einem bald anlaufenden Blockbuster für Überraschungen, überwältigende Reaktionen und echte Emotionen sorgte, wenn er ohne Vorwarnung auf ein unvorbereitetes Publikum losgelassen wurde:

Für die Zuschauer war der Teaser zu „Terminator 2“ die erste Info überhaupt, dass da gar ein neuer Teil kommt. Und sie drehten durch. Er sagte, er kommt wieder. Er hat sein Versprechen gehalten! Der Teaser enthält kein einziges Bild aus dem Film. Einerseits sieht der Teaser so aus, wie er aussieht, weil man zu diesem Zeitpunkt nicht eine Szene zum Film gedreht hatte. Nix, worauf man zurückgreifen konnte. Zudem standen Stan Winston, der bei dem Teaser Regie führte, nur ein einziges Endoskelett und ein paar wenige Einzelteile zur Verfügung. Raffiniert wie der SFX-Guru war, arbeitete er mit Spiegeln, um so den Eindruck zu erzeugen, es handele sich um eine ganze Scharr an T-101-Modellen, die dort produziert werden. Andererseits ist der Anheizer ein Paradebeispiel dafür, wie ein Teaser, ein Neugierigmacher, ein Clip, der mit wenig Aussage viel Kraft erzielt, aussehen sollte. Die Leute wussten, da kommt ein neuer Terminator. Worum es ging, war unklar.

Im Oktober 1990 begannen die Dreharbeiten. Ein sehr ambitioniertes Vorgehen, da man den fertigen Film bereits im Sommer 1991 in die Kinos bringen wollte.
Welch hochwertiges, nahezu vollkommenes Mammutprojekt Cameron und seine Crew in solch kurzer Zeit aus dem Boden gestampft haben, ist mehr als beeindruckend. Was dafür geleistet wurde, kann man in diesem äußerst ausführlichen und reichlich illustrierten Buch von Ian Nathan durchlesen.

„The Terminator Vault“ kann uneingeschränkt als das ultimative Werk über die Entstehung der ersten beiden Teile angesehen werden. Neben Interviews, Insider-Stories, Set-Fotos, Anekdoten, dem Making Of der halsbrecherischen Stunts und einem Vorwort von Arnold Schwarzenegger punktet das Buch durch beigelegte Gimmicks wie einer Replikation des Fotos von Sarah Connor (welches am Ende des ersten Teils geschossen wird), Storyboard-Zeichnungen, Poster, Dias und vielem mehr.

„The Terminator Vault“ deckt alles ab, was den Fan interessieren könnte und offenbart viel Neues. Doch es fehlt ein wichtiges Detail, um zur Perfektion zu gelangen. Mit keinem Wort erwähnt der Autor den enorm essentiellen Beitrag Brad Fiedels. Dabei trägt der Komponist mit seiner Musik maßgeblich zur Charakteristik beider Filme bei. Bei meiner Suche nach Interview-Material über Fiedel bin ich auf dieses sehr amüsante Aufeinandertreffen gestoßen. Eine japanische Reporterin besucht ihn in seinem Studio und freut sich sichtlich über die Begegnung. Sie scheint ein großer Fan zu sein…

Den Soundtrack des 1. Teils hatte ich mir auf Musikkassette geholt, während ich mir vom Nachfolger dann schon die CD leisten konnte. Bezeichnend für den technischen Fortschritt, für den auch die beiden Filme stehen. Den Score habe ich hoch- und runtergehört. Meistens lief er, wenn ich mit dem Game Boy gezockt habe. Das Spiel zum Film hatte ich nicht, dafür hat der Soundtrack „Die Schlümpfe, Teil 2“ die nötige musikalische Spannungskurve verliehen 😉

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Das musikalische Highlight bot nicht nur der Score, sondern auch der Titelsong „You Could Be Mine“ von Guns N‘ Roses, der auch im Film zu hören ist, als John Connor mit seinem Freund durch den Flutgraben fährt. Im Gegenzug spielte Arnie im dazugehörigen Video mit, bei dem unter anderem Stan Winston – wie auch schon beim Teaser – Regie führte. Klickt aufs Bild und schaut euch das coole Video an:

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Für beide Seiten war die Cross-Promotion ein profitables Geschäft. „T2“ bekam mehr Buzz zu dem ohnehin schon immensen Hype und Guns N‘ Roses verkauften ein paar Kopien mehr von ihrem Album „Use Your Illusion II“, dessen erste Single-Auskopplung „You Could Be Mine“ war.

Die Promophase war gigantisch und die Merchandise-Maschinerie lief so geschmiert wie ein frisch aus der Produktion kommender T-1000. Poster, T-Shirts, Schlüsselanhänger, Tassen, Videospiele, Comics, alles was Cameron und Schwarzenegger persönlich freigaben, wurde veröffentlicht. Mich würde interessieren, was sie sich bei der Freigabe der Spielzeugreihe von Kenner Toys gedacht haben. Waren sie beeindruckt vom Einfallsreichtum der Gestalter oder dachten sie an die Kids, die in ihrer Fantasie ihren eigenen Film abspielen lassen konnten, da diese zwar zur Zielgruppe der meisten Merchandise-Produkte gehörten, den Film aufgrund seines R-Ratings aber nur mit Erlaubnis und in Begleitung ihrer Eltern oder eines Erwachsenen sehen durften.

 

Und auch wenn Mama und Papa ihrem Kind nicht erlaubt haben, den Film im Kino anzuschauen – dem Einspielergebnis hat es kein Abbruch getan. „Terminator 2 – Judgment Day“ avancierte zum erfolgreichsten Film des Jahres 1991, sowohl in den USA als auch international und konnte das erfolgreichste US-Startwochenende für sich verbuchen. In Deutschland verzeichnete die Rückkehr die beste Startwoche 1991 mit einem Schnitt von knapp 3.000 Besuchern pro Kopie und landete mit insgesamt 4,65 Mio. Kinozuschauer auf Platz 4 der Jahrescharts – hinter einem daheim gelassenen Schlitzohr und einem mit Wölfen tanzenden Kevin Costner, der den Reichen nahm und den Armen gab.

Für das Produktionsstudio Carolco Pictures, die ein Jahr zuvor mit „Total Recall“ (ebenfalls mit Schwarzenegger) einen Hit landeten, war der Film erwartungsgemäß ein Kassenschlager. Leider half es dem angeschlagenen Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel. Mit Produktionen wie den bereits erwähnten, der „Rambo“-Trilogie, den späteren „Basic Instinct“, „Cliffhanger“ und „Stargate“ haben sie den Break-Even-Point weit hinter sich gelassen, aber jedem Erfolg standen zwei, drei Flops gegenüber. Dazu kamen exzessive Parties und der finanzielle Super-GAU „Die Piratenbraut“.  Die Geschichte  des mutigen Produzenten-Duos Mario Kassar und Andrew G. Vajna schildert dieses Video. Wen die starre Erzählstruktur und der manchmal sehr ambitionierte Sprecher nicht stören, sollte sich die Zeit nehmen, hinter die Kulissen eines der größten unabhängigen Filmunternehmen zu schauen:

James Camerons moderner Klassiker wurde, wie es sich für ein solch wegweisendes Werk gehört, häufig referenziert. Eine der besten und lustigsten Anspielungen findet sich in dieser Szene aus „Wayne’s World“:

Natürlich dürfen die Simpsons nicht fehlen, wenn von Filmreferenzen die Rede ist:

Neben einem Cameo von Robert Patrick als T-1000 in seiner Polizeiuniform bildet diese Szene aus „Last Action Hero“ einen selbstironischen Höhepunkt:

Bevor ich „Terminator 2“ sah, kannte ich nur die Geschichten darüber von Freunden und meinem Vater. Und es klang alles so spannend, nach dem größten Film aller Zeiten. Dadurch haftete dem Film lange Zeit etwas geheimnisvolles an. Ich sah ihn noch vor Teil 1 und fand ihn lange Zeit besser, da ich den ersten irrsinnigerweise als bloße Kopie empfand, die viele Elemente einfach übernahm. Heute sehe ich das selbstverständlich anders. Sowohl Teil 1 als auch Teil 2 sind zwei herausragende Filme auf ihrem Gebiet. Beide haben mich unglaublich geprägt.

Es existieren diverse Schnittfassungen des Films, wobei ich die Kinofassung bevorzuge, da sie im Ganzen runder und dynamischer wirkt. Im sogenannten Ultimate Cut wurde das im Test-Screening unbeliebte Ende wieder eingefügt. Darin sitzt eine ins Alter gekommene Sarah Connor auf einer Bank, während sie ihrem Enkel beim Spielen zuschaut. Ihre Worte sollen den Artikel besiegeln.

„Der 29. August 1997 kam und ging. Es passierte nichts besonderes. Michael Jackson wurde 40. Der Tag der Abrechnung fand nicht statt. Die Menschen gingen wie jeden Tag zur Arbeit. Sie lachten, klagten, sahen fern und hatten Sex. Doch für mich gibt es die dunkle Zukunft noch. Das wird sich auch nicht ändern […] Es war der Terminator, der mir Hoffnung gab. Denn wenn eine Maschine den Wert des Menschenlebens begreift, können wir das vielleicht auch.“

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