Fundstück: Mein Schulvortrag über Spielbergs DUELL

Wir schreiben das Jahr 2004: Ich besuchte die 12. Klasse. Jeder Schüler hatte die Aufgabe, im Deutsch-Unterricht einen Vortrag über ein bestimmtes Thema zu halten. Dies sollte die Rhetorik schulen und auf die Situationen im Leben vorbereiten, in denen man vor einer größeren Zuhörerschaft möglichst fehlerfrei und selbstbewusst sprechen muss. Unsere Lehrerin gab uns dafür grobe Themen vor. Sofort als sie das Thema „Ein Film von Steven Spielberg“ nannte, waren meine beiden Arme oben. Wild mit dem Finger schnipsend verdeutlichte ich ihr, dass nur ich und ja kein anderer diese Aufgabe erfüllen darf.

Im schicken Anzug trat ich wenige Tage später vor die Klasse an ein eigens dafür aufgestelltes Rednerpult, bereit meine Rede zum Besten zu geben. Der folgende Text diente dabei als Grundlage meiner Präsentation und wurde hierfür 1:1 übernommen. (Zu meiner Freude hat sich meine Meinung über den Film seitdem nicht verändert)

Meine Damen und Herren, verehrtes Publikum!

Wir haben uns heute Abend hier versammelt, um einem brillanten Film eines ebenso brillanten Regisseurs ein Denkmal zu setzen. Der Regisseur hat mit Meilensteinen wie „E.T. – Der Außerirdische“, „Jurassic Park“, „Der weiße Hai“ und „Schindlers Liste“, um nur ein paar zu nennen, ein großes Stück Filmgeschichte geschrieben und viele Nachwuchsregisseure beeinflusst.

Sie, liebe Gäste, wissen sicherlich, von welcher Person nur die Rede sein kann. Richtig, Steven Spielberg! Der am 18. Dezember 1946 in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio geborene Steven Allan Spielberg ist zusätzlich unter anderem als Produzent, Autor und gelegentlich als Schauspieler für winzige Gastauftritte tätig.
Spielberg gilt als „Wunderkind“ Hollywoods und erhielt unzählige Preise, darunter zwei Oscars. Auch privat läuft es für den sechsfachen Vater bestens. Er ist seit 10 Jahren mit der Schauspielerin Kate Capshaw verheiratet.
Im Gegensatz zu heute war seine Kindheit, wie er selbst sagt, die schlimmste Zeit seines Lebens. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er in der Schule oft von seinen Mitschülern gehänselt.

Den nötigen Respekt bekam er dann ab 1971, ein bedeutendes Jahr im Leben des Künstlers. In diesem Jahr führte Spielberg Regie bei einem kleinen Action-Thriller für das US-Fernsehen. Der Erfolg war jedoch so überwältigend, dass diese Perle des Action-Genres zwei Jahre später in die Kinos kam, hier in Europa sogar in einer 15 Minuten längeren Fassung.

Die Handlung lässt sich in einem Satz erklären: Ein PKW-Fahrer wird knapp 90 Minuten von einem Trucker verfolgt.
Klingt simpel, für den einen oder anderen vielleicht auch langweilig, doch was Spielberg aus dieser von Richard Matheson verfassten Geschichte gemacht hat, ist alles andere als langweilig. So geradlinig der Plot verläuft, so einfach ist auch der Titel des Films: „Duell“! Um Ihnen einen genaueren Einblick in die Handlung zu gewähren: Der Handlungsreisende David Mann, exzellent verkörpert von Dennis Weaver, der dem Zuschauer anfangs einen eher spießigen Eindruck macht, überholt mit seinem roten PKW auf einer einsamen Landstraße einen gewaltigen LKW. Bis dahin geht alles seinen geregelten Gang. Als der selbe LKW jedoch versucht, den PKW gefährlich nahe aufzuholen, beginnt ein wahrhaftiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden.

Hierbei gelingt es Spielberg, den Spannungsgrad stets zu halten, sogar immer weiter zu steigern und somit eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen.
Gelegentlich wird die nervenaufreibende Verfolgunsjagd, die bemerkenswerterweise ohne jegliche Explosionen im Fünf-Minuten-Takt auskommt, durch einige Zwischenstopps, sei es an einer Tankstelle, in einem Restaurant oder durch die Panne eines Schulbusses, unterbrochen. In diesen Szenen kann der Zuschauer miterleben, was die Mitmenschen des Hauptcharakters von Zivilcourage halten – nämlich gar nichts. Die Person des David Mann wird dem Publikum aufgrund seiner emotionalen Verfassung immer vertrauter. Man fühlt mit ihm, man leidet mit ihm und dies erhöht den Nervenkitzel um ein weiteres.

Ein ebenso interessantes wie spannendes Mittel, den Film aufzuwerten, ist der Fakt, dass man die Person am Steuer des tonnenschweren Trucks die ganze Zeit nie zu Gesicht bekommt und auch die Ungewissheit, welches Motiv dieser scheinbar Geisteskranke hat, lässt die Spannung bis ins Unerträgliche steigen und Raum für jegliche Interpretationen.
Steven Spielberg bewies schon damals, wie man Spannung und Nervenkitzel perfekt auf- und ausbaut. Natürlich wurde dies auch belohnt: Mit einer, wie bereits erwähnt, Wiederaufführung auf der großen Leinwand und unter anderem mit einem Emmy Award und einem Golden Globe.

„Duell“, einer der ersten Filme Spielbergs, inspirierte viele folgende Filme, Nachwuchsregisseure und nahm ebenfalls Einfluss auf Musikvideos und Werbespots.

Zum Schluss möchte ich ihnen anhand einiger Kritiken veranschaulichen, was für ein Glanzstück „Duell“ ist. Im Anschluss darauf folgt ein kleiner Ausschnitt aus dem Film.

„Ein atemberaubender Thriller […] Ein echter Kultfilm.“ – Heyne Film Lexikon

„Erster kleiner eines großen Regisseurs“ – TV Spielfilm

„Mitreißend: ‚Weißer Hai‘ auf Rädern“ – TV Spielfilm

„Es ist kaum möglich, sich der Faszination dieses Filmes zu entziehen; das Tempo ist wild… die Aufnahmen des sich jagenden Autos außergewöhnlich fesselnd. Eine Fahrt, die zu sehen sich lohnt.“ – TIMES

Ich gehe zum Fernsehschrank und schiebe die VHS in den Kassettenspieler. Die ganze Klasse schaut zwei Ausschnitte auf der Röhre. Für euch gibt’s an dieser Stelle den Trailer:

Liebe Zuschauer, mir hat es Spaß gemacht und ich hoffe, ihnen genauso. Ich bedanke mich bei ihnen für ihr großes Interesse und zahlreiches Erscheinen und wünsche ihnen noch einen angenehmen Abend. Auf Wiedersehen!

Auf meine Präsentation bekam ich die Note ‚2‘ bzw. 12 Punkte. Mein Auftreten war tadellos, meinte meine Lehrerin, aber sie habe sich gewünscht, dass ich etwas über „Schindlers Liste“ erzähle …

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