Garcias Retrospektive: GRIZZLY

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Arme Susan Backlinie. Sie hat es nicht so mit Tieren. Und Tiere mögen sie irgendwie auch nicht. In Steven Spielbergs Blockbuster „Der weiße Hai“ fiel sie dem titelgebenden Fisch in der unvergesslichen Eröffnungssequenz als Erste zum Opfer. Ein Jahr später wurde sie in William Girdlers „Grizzly“ vom titelgebenden Bären von seiner gewaltigen Pranke totgeschlagen. Zufällige Besetzung oder gewollte Anspielung?

„Grizzly“ wird gerne in einen Topf mit all den Tierhorrorfilmen geworfen, die nach dem immensen Erfolg von Spielbergs Hai-Horror produziert wurden. Aber ihn deswegen als Rip-Off abzustempeln, wird dem Film nicht gerecht. Die Idee zum Film existierte lange vorher und beruht auf einem einschneidenden Erlebnis von Drehbuchautor Harvey Flaxman, der in jungen Jahren während eines Campingtrips eine unheimliche Begegnung mit einem Grizzly hatte. Gemeinsam mit David Sheldon arbeitete er später an dem Skript, das die Vorlage zu „Grizzly“ wurde. Gewiss profitierten die beiden bei der Finanzierung ihres Drehbuchs von der Popularität, die „Der weiße Hai“ genoss. Edward L. Montero und Film Ventures International produzierten den Film sicher in der Hoffnung, einen ähnlichen Box-Office-Hit wie Spielberg und Universal Pictures zu landen.

Gedreht wurde in den Wäldern von Georgia, in denen bereits Burt Reynolds, Jon Voight, Ned Beatty und Ronny Cox in „Beim Sterben ist jeder Erste“ vier Jahre zuvor einen unvergesslichen Ausflug erlebten. Keine Hinterwäldler, sondern ein übernatürlich großer Grizzly-Bär sollte im hiesigen Nationalpark Angst und Schrecken unter den Besuchern verbreiten. Dabei geht der behaarte Panzer nicht zimperlich vor. Körperteile fliegen umher und auch vor Kindern macht das Vieh keinen Halt! Dass er der König der Wälder ist, stellt er mit der Enthauptung eines anderen Tieres unter Beweis.

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„Der Pate“ unter den Killerbärenfilmen!

„Eine Bestie läuft Amok“, so die unmissverständliche Tagline auf dem deutschen Kinoplakat. Alles klar, die Botschaft ist angekommen! Da läuft ein Tier… Verzeihung, eine Bestie in Weißer-Hai-Manier durch die Büsche und tötet alles, was ihr vor die Schnauze läuft. In Deutschand mit einer angemessenen FSK16 freigegeben, erhielt der Horrorfilm in den USA ein PG-Rating, was bedeutet, dass Kinder jeden Alters Zutritt zum Film hatten – allein oder in der empfohlenen Begleitung eines Erwachsenen. Zwar mussten für die Freigabe kleinere Einstellungen entfernt werden, um ein R-Rating zu vermeiden (was der deutschen ‚FSK 16‘ in etwa gleichkommt). In Anbetracht dessen, was in der finalen Schnittfassung gezeigt wird, ist es dennoch verwunderlich, dass man einige Gewaltspitzen Kindern zuzumuten glaubt.

Das tolle Postermotiv wurde von Künstler Neal Adams kreiert. In der Comic-Szene ist der Mann kein Unbekannter. Er verhalf den totgeglaubten X-Men zu neuer Popularität und arbeitete an einigen Abenteuern der Avengers. Außerdem polierte er Batmans Image Anfang der 1970er auf, indem er den dunklen Ritter wieder düsterer und seriöser gestaltete, nachdem die Figur aufgrund der TV-Serie in den 60ern zur bunten Witzfigur verkam.

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Postermotiv von Künstler Neal Adams

Ob es am aufmerksamkeitsstarken Poster lag, an der niedrigen Freigabe oder die Lust der Zuschauer an animalischen Horrorfilmen nach „Der Weiße Hai“ ausschlaggebend war: „Grizzly“ wurde mit einem Einspiel von 39 Mio. US-Dollar ein Hit an den amerikanischen Kinokassen und damit zum erfolgreichsten Independent-Film 1976. Diesen Rekord hielt er bis 1978, als John Carpenter mit „Halloween“ einen wegweisenden Klassiker im gleichen Genre ablieferte.

Sieben Jahre nach dem Erfolg von „Grizzly“ begannen die Dreharbeiten an einer Fortsetzung. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund eines Rock-Konzerts, das im Nationalpark stattfinden soll. Die Fans freuen sich auf ihre Lieblingsbands, jemand anderes auf ein fettes Buffet … Leider kam es zu Problemen bei der Finanzierung, weshalb der Film mit seinen vielen Arbeitstiteln (Grizzly 2: The Concert, Grizzly 2 – The Predator, Predator – The Concert) nie komplett fertiggestellt und offiziell veröffentlicht wurde.

In seinem Audiokommentar auf der „Grizzly“-DVD verrät David Sheldon, der gemeinsam mit seiner Frau und „Grizzly“-Schauspielerin Joan McCall das Drehbuch zur Fortsetzung schrieb und Regie führte, dass die Technik hinter dem animatronischen Bär state-of-the-art war, daher ab einem gewissen Punkt aber so teuer wurde, dass die Finanzierung dies nicht mehr tragen konnte. Bis auf den Großteil der Bärenszenen war alles bereits im Kasten. 1987 kaufte die schillernde Produktionsschmiede Cannon Films schließlich den Film. Dort wollte man die Post-Produktion abschließen und ihn endlich veröffentlichen. Leider steckte Cannon zu diesem Zeitpunkt selbst in Geldnöten, weshalb das Vorhaben erneut scheiterte. Von den ursprünglichen Darstellern wirkte zwar keiner mit, dafür hatte die Fortsetzung ein überraschend prominentes Aufgebot: Louise Fletcher („Einer flog übers Kuckucksnest“), John Rhys-Davies („Herr der Ringe“) sowie die blutjungen Laura Dern („Jurassic Park“), Charlie Sheen („Hot Shots“) und George Clooney, bevor er mit „Die Rückkehr der Killertomaten“ zu Ruhm und Ehre gelangen sollte.

Auf einer bekannten Videoplattform findet man einen Workprint des Films, der zwar alle Bärenszenen vermissen lässt, dafür aber ganz viele, tolle Tanz- und Gesangseinlagen und unfreiwillige Komik dank ungünstiger musikalischer Untermalung dramatischer Szenen bietet!

Aber zurück zum Anfang und damit – als Vorgeschmack – zur ersten Attacke aus „Grizzly“, bei der zwei weibliche Camper einen Überraschungsbesuch vom „18 feet of gut-crunching, man-eating terror“ bekommen:

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