Garcias Review: FEUER AM HIMMEL

Was habe ich mir doch vor Angst fast in die Hosen geschissen!

Da läuft dieser vermeintlich harmlose Science-Fiction-Film im Fernsehen und weil er in der TV Spielfilm recht positiv besprochen wurde, freue ich mich auf 90 Minuten extraterrestrische Unterhaltung à la „Akte X“. Worauf mich die Fernsehzeitschrift meines Vertrauens nicht hingewiesen hat: Dass er verdammt gruselig ist! Aber alles der Reihe nach…

Arizona 1975: Waldarbeiter Travis Walton und seine fünf Kollegen haben im Wald nahe des verschlafenen Örtchens Snowflake ordentlich Bäume gefällt und Holz gehackt und befinden sich gerade auf dem Weg nach Hause. Die Dunkelheit ist bereits eingebrochen, als sie in der Ferne ein rotes Licht entdecken. Das muss man sich anschauen, könnte ja ein Brand sein. Schnell wird klar, dass es sich hierbei nicht um ein Feuer, sondern um ein unbekanntes Flugobjekt handelt. Travis ist von dem Anblick so gefesselt, dass er das ganze aus nächster Nähe betrachten muss, während seine Kollegen – starr vor Angst – nicht einmal daran denken, das Auto zu verlassen.

© Paramount
© Paramount

Gut für sie, schlecht für Travis. Für ihn endet die Begegnung mit einer Entführung. Seine Kollegen, die panisch die Flucht  in ihre Stammkneipe ergreifen, finden sich wenig später in einem Verhör mit dem Orts- und dem Bezirks-Sheriff wieder. Wurde Travis wirklich von Aliens entführt oder vertuschen die Jungs einen Mord? Der Vorfall zieht seine Kreise, selbst Freunde und Familie der Beteiligten wissen nicht mehr, wem und woran sie glauben sollen. Das Vertrauen der Stadtbewohner zu den Waldarbeitern schwindet von Tag zu Tag. Bis zum Tag 5 …

Regisseur Robert Lieberman ist kein Steven Spielberg. Sein auf wahren Ereignissen basierender Film verfügt nicht über die Vielschichtigkeit eines „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Und genau darin liegt seine Stärke.

„Fire In The Sky“ ist ein simpel gestrickter Film über einen Holzfäller, der nach Feierabend von Aliens entführt wird. Die Story passt auf einen Bierdeckel. Aber eben weil er so einfach aufgebaut ist, ist der Film DER Inbegriff eines Alien-Entführungsfilms und der beste Vertreter seiner Art.

Lieberman legt den Fokus auf den Waldarbeiter Travis Walton und seine Kollegen, die mit dessen Entführung zurechtkommen und sich den Vorwürfen des Mordes widersetzen müssen. Die Geschichte nimmt sich Zeit, die daraus resultierenden menschlichen Dramen zu erörtern und den Charakteren die für ihre Rolle nötige Tiefe zu verleihen, ohne dass die Dynamik beim Erzählen ins Stocken gerät.

Ob es am Budget lag oder der literarischen Vorlage des echten Travis Walton, weiß ich nicht, aber „Feuer am Himmel“ zieht seine Stärke daraus, dass Drehbuchautor Tracy Tormé und der Regisseur sich voll und ganz auf die Figuren der Kleinstadt Snowflake beschränken. Keine zwielichtigen FBI-Agenten, keine geheimen UFO-Stationen oder -Wissenschaftler, keine Spur von der Regierung. Lieberman bleibt in seinem kleinen Kosmos und füllt diesen mit authentischen Figuren und nachvollziehbaren Handlungssträngen – und zeichnet nebenbei ein entlarvendes Bild kleinbürgerlicher Engstirnigkeit und Ignoranz.

© Paramount
© Paramount

Eine weitere Stärke des Films ist seine unglaublich dichte Atmosphäre. So dicht, dass man sie schneiden kann. Das perfekte Zusammenspiel von Kamera, Licht und minimalem, aber umso effektiverem Einsatz von Musik trägt enorm zur Stimmung bei. Gekonnt wird mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, wenn während der Anfangs-Credits das Schwarzbild im Hintergrund einer Silhouette von Bäumen weicht, durch die mehr und mehr Licht dringt, bis das Unheil seinen Lauf nimmt.

Ist der geneigte Zuschauer emotional mitgerissen von einer spannenden Szene, knabbert er an seinen Fingernägeln, macht eine andere sich immer wiederholende, nervöse Bewegung oder – wie in meinem Fall – verkrampft in der Haltung, die er hatte, als diese Szene begann. Achtet mal drauf!

Und so erging es mir mehr als einmal bei „Feuer am Himmel“. Eine der intensivsten Szenen ist die, in der Mike Rogers sich auf die Suche nach seinem vermissten Freund und Kollegen Travis macht, nachdem dieser ihn aus heiterem Himmel angerufen hat. Nach ewigem Suchen in der verregneten Nacht findet Mike ihn nackt und verstört an einer geschlossenen Tankstelle. Allein dieser Moment fängt die Stimmung des gesamten Films hervorragend ein.

Ich war Teenager, hatte eine Vorliebe für Horrorfilme und ein Faible für Phänomene der dritten Art. Entsprechend abgehärtet war ich… dachte ich!

Ab dem Punkt, an dem Travis wieder zurück auf der Erde und scheinbar in Sicherheit ist, schwingt unentwegt eine unheimliche Bedrohung mit, welche erst abklingt, wenn der Abspann einsetzt. Spätestens wenn der traumatisierte Protagonist von Flashbacks aus der Zeit im Raumschiff heimgesucht wird, trumpft der Film nochmal richtig auf und das Nervenkostüm verwandelt sich in ein Stück Holz, das durch die Spannungsschraube zum Splittern gebracht wird.

© Paramount
© Paramount

Darüber hinaus punktet Robert Liebermans 1993 gedrehte Adaption von „The Walton Experience“ mit einem durchweg überzeugenden Schauspieler-Ensemble. Während Henry Thomas bereits als Elliott in „E.T.“ erste Erfahrungen mit Außerirdischen gesammelt hat, widmete sich Robert Patrick sieben Jahre später an der Seite von Agent Scully den unheimlichen Fällen des FBI!

„Feuer am Himmel“ gibt es auf DVD, unter anderem bei Amazon für ’n Appel und ’n Ei. Prime-Instant-Kunden können ihn sich sogar gratis anschauen.

Und dran denken: Am besten alleine anschauen… nachts!

Advertisements

Schreibe einen Kommentar ins Gästebuch

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s