Garcias Retrospektive: TURTLES 2 – DAS GEHEIMNIS DES OOZE

„Don’t fuck with the original!“ Dieses Zitat aus „Scream 4“ bezieht sich zwar in erster Linie auf Remakes, aber im Kern kann man die Aussage Sidney Prescotts auch auf Sequels übertragen.

Dass es Fortsetzungen gibt, die ihrem Vorgänger ebenbürtig sind oder allgemeinhin als besser angesehen werden, bewiesen uns Sequels wie „Der Pate II“, „The Dark Knight“, „Das Imperium schlägt zurück“, „Aliens – Die Rückkehr“ und „Terminator 2 – Judgment Day“ – die beiden letztgenannten inszenierte kein Geringerer als der Regisseur von „Piranhas II – Fliegende Killer“ (zumindest auf dem Papier).

Doch es gibt Sequels, die gerne unter die Kategorien „Ja, war ganz okay, aber der erste war besser“ oder gar „Boah, ne, so’n Dreck. Warum haben sie’s nicht beim ersten belassen? WARUM?“ fallen. Folgende Filme mögen vielleicht auf diese konstruktive Form der Filmkritik passen, aber für mich bilden sie den Höhepunkt (einer Reihe) oder haben den höheren Unterhaltungswert. Nicht unbedingt, weil sie inhaltlich ausgereifter, komplexer, origineller, weiß der Geier, sind. Nein, es sind Filme, mit denen ich persönlich mehr verbinde, mehr Erinnerungen, Filme, die mich – und das merkt man nach all den Jahren – in irgendeiner Weise geprägt haben. Hier ein Erklärungsversuch anhand von „Turtles 2“:

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© Winkler Film GmbH

Vorweg: ich habe bis heute keinen einzigen der düster gehaltenen Comics aus dem Franchise gelesen, weswegen ich auch nie Anstoß an dem bunten, kinderfreundlichen Ton des zweiten Teils genommen habe. Die Zeichentrickserie und die Merchandise-Produkte habe ich geliebt! Die Hero Turtles (das Adjektiv war damals geläufiger, weil der Begriff Ninja für Europa, speziell Großbritannien, nicht wirklich ins Konzept einer Kinderserie passte) waren ein Phänomen bei fast jedem Kind, das Mitte/Ende der 80er, Anfang der 90er aufwuchs. Drei Klassenkameraden hatten bei meiner Einschulung einen „Turtles“-Schulranzen, für mich waren sie der Grund, warum ich Schildkröten fortan als meine Lieblingstiere und Blau (wegen Leonardo) als meine Lieblingsfarbe auserkoren hatte.

Die Spielzeugfiguren waren meinen Eltern zu teuer, weswegen ich nie welche hatte. Die Leihgebühren für eine VHS waren es damals ebenfalls, aber trotzdem oder gerade deswegen war es kurz nach der Wende immer ein Highlight, mit Papa und Bruder am Wochenende in die Videothek zu fahren. Während der Vater in der Erwachsenenabteilung stöberte, fühlten mein Bruder und ich uns in der jugendfreien Abteilung wie im Himmel, schwebend auf Wolken aus Magnetbändern und Cover-Motiven, die einen nachhaltigen Einfluss auf meine Faszination für Artwork und Grafikgestaltung ausüben sollten …

Unter all den Filmen prangte auch das Cover von „Turtles 2 – Das Geheimnis des Ooze“, auf das mein Bruder und ich so gebannt starrten, wie die vier Schildkröten auf den Kanister mit dem leuchtend grünen Serum.

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Deutsche VHS (© Twentieth Century Fox Home Entertainment)

Heute betrachtet, finde ich es mit den Störern in Form von Sternen, etwas überladen. Hier hätte es das Hauptmotiv getan, aber egal, damals hat es mich gepackt.

Ausgeliehen, nach Hause gefahren, Kassette in den Videorekorder geschoben und los ging es. Das Bild krieselte und eine Stimme läutete den FSK-Hinweis mit den Worten „Liebe Videofreunde…“ ein. Legendär! Apropos: Legendär war und ist auch das Intro von VCL auf den Videokassetten der „Turtles“-Zeichentrickserie. Beste Schutzmarke neben Carolco und dem alten Kinowelt-Intro.

Zurück zum Film:

Der Pizzabote Keno wird zu Beginn Zeuge eines Diebstahls im großen Stil und schafft es die Strumpfhosentragenden Gauner auf eigene Faust dingfest zu machen. Wahrscheinlich waren sie gerade dabei den neusten High-Tech-Shit (Röhrenfernseher, Videorecorder, Stereoanlagen und Autoradios mit Kassettendeck) zu klauen. Die drei, vier Gauner konnte er überwältigen, aber die Verstärkung rückt schon an. Auftritt Turtles! YEAH! Unter Kampfgeschrei springen sie in die Luft und *zooom* der Titel TURTLES 2 – DAS GEHEIMNIS DES OOZE kommt im Schriftzug, den ich so sehr liebe und der mir bestens aus der Zeichentrickserie vertraut ist, ins Bild gedonnert.

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© Winkler Film GmbH

Genau lässt es sich nach über 20 Jahren nicht mehr sagen, aber vielleicht war es dieser Film, diese Szene, die die Begeisterung für visuell herausragende, stimmige Anfangscredits, im speziellen Titeleinblendungen, in mir geweckt hat. Die erste Frage bei jedem Film, die ich meinem Bruder gestellt hat (oder er mir), wenn man den Anfang verpasst hat: „Und, wie sah die Schrift aus?“.

Eine andere „Macke“ von mir und meinem Bruder war es, die Rückseite des VHS-Inlays als visuelles Protokoll zu nutzen. Heißt, es wurde akribisch gecheckt, ob auch ja jedes abgebildete Szenenbild im Film vorkam. Irgendwann hatte ich eine TV-Aufzeichnung des Films, die entsprechend oft durchgenudelt wurde. Wie Kinder so sind, ahmen sie ihre Helden gerne nach, was darin resultierte, dass die aufmerksamen Eltern das Video alsbald versteckt haben, nachdem mein Bruder und ich wohl zu oft Szenen „nachstellten“.

„Never meet your childhood heroes“ schrieb mal ein Mitglied in ein Filmforum. Kann ich gut nachvollziehen, da auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass Filme, die man als Kind abgöttisch liebte, bei erneutem Anschauen nach so vielen Jahren enttäuschen und man sich wünscht, man hätte es bei der Erinnerung belassen. Im besten Fall verfügt der Film zumindest noch über einen gewissen Charme oder eignet sich für einen nostalgischen Trash-Abend!

Mit „Turtles 2“ blieb mir diese Erfahrung glücklicherweise erspart. Er unterhält immer noch so gut wie beim ersten Anschauen. Sicher betrachtet man den Film mittlerweile unter anderen Gesichtspunkten, aber die Fortsetzung funktioniert auch heute noch mit ihren albernen Sprüchen, dem Slapstick, den – in der deutschen Synchro – comic-haften, kindgerechten Geräuschen, wenn getreten und geschlagen wird, Vanilla Ice‘ Ninja Rap (ich tu‘ das mal als Guilty Pleasure ab) und der leider viel zu kurze Auftritt von Super Shredder. Aber sie erinnert vor allem auch an die Liebe und Wertschätzung, die man für handgemachte Effekte (neben den Hauptfiguren vor allem in Form der beiden Gegenspieler Rahzor und Tokka) entwickelt hat. Steckt in ihnen doch trotz erkennbarer Puppenkostüme mehr Leben und Seele als im Gros CGI-animierter Figuren. Ganz besonders sei hier auch die Komposition von John Du Prez zu erwähnen, der es versteht, die Rückkehr Shredders bedrohlich und das heroische Auftreten der vier Helden zuweilen melancholisch zu untermalen.

I don’t meet my childhood heroes, I face them! Und so amüsiert mich auch diese (wieder mal gelungene) Ausgabe der Honest Trailer von den Kollegen von Screen Junkies:

Im Gegensatz zum ersten Teil – den ich ebenfalls (immer noch) großartig finde – wird das Sequel zudem von einer Leichtigkeit getragen, die dem Film erlaubt, immer wieder angeschaut zu werden, ohne dass er langweilig wird.

Ein weiteres Beispiel für eine überaus gelungene Fortsetzung und für Filme, die ich immer wieder sehen kann, ist:

Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster

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